Eingeschult
 

Eine kleine Geschichte unserer Kirchengemeinde

 

Wie die ersten Evangelischen nach Immendingen kamen

Bis 1800 dürfte es keine evangelischen Christen im Gebiet unserer heutigen Kirchengemeinde gegeben haben. Noch vor 1830 wurde im Bachzimmerer Tal ein Eisenwerk errichtet. Dafür wurden in Sachsen Facharbeiter angeworben. Viele von ihnen waren evangelische Christen. Sie lebten nun als kleine Minderheit in einer Gegend mit überwiegend andersgläubiger Bevölkerung. Das war für sie nicht einfach. Man beschreibt diese Situation mit dem Begriff „Diaspora“. Sie lebten in der „Zerstreuung“. Ihre Kinder wurden in der nächstgelegenen evangelischen Kirche in Öfingen getauft, aber der Immendinger katholische Pfarrer war so freundlich, die Taufen ins Taufregister seiner Pfarrei eintragen zu lassen. Damit waren sie dokumentiert.

Der Bau der Bahnlinien fördert die Industrialisierung, die Zahl der Evangelischen nimmt zu

Der Bau der Schwarzwaldbahn (1865-1873), die 1890 eröffnete Sauschwänzlebahn und der Anschlussbau der Bahn nach Tuttlingen, läuteten die Industrialisierung in unserem Gebiet ein. Es kamen Fremdarbeiter aus ganz Deutschland und Europa nach Immendingen, darunter viele evangelische Christen. So wuchs ihre Zahl von Jahr zu Jahr.

Die geistliche Betreuung der evangelischen Christen

Ab 1871 wurden sie von Donaueschingen aus betreut. Dort gab es eine evangelische Kirchengemeinde, die zur badischen Landeskirche gehörte. 1871 wurde auch der erste evangelische Religionsunterricht in Immendingen erteilt. Zehn Jahre später wurde der erste evangelische Gottesdienst in Immendingen gehalten. Weil es noch keinen kirchlichen Raum gab, fand er in Privathäusern statt. In diesem Jahr schlossen sich die evangelischen Christen auch zu einer Diasporagenossenschaft zusammen und wählten einen Kirchenvorstand. Damit waren sie aber noch nicht in eine größere kirchliche Struktur eingebunden. Vertreter der badischen evangelischen Kirche nahmen mit ihnen Kontakt auf, und 1984 wurde die Betreuung der evangelischen Christen vom badischen Oberkirchenrat im Einvernehmen mit dem Königlich Württembergischen Konsistorium dem Dekanat Tuttlingen übertragen. Die Orte Immendingen, Zimmern, Hattingen, Möhringen und Emmingen ab Egg bildeten eine Pfarrbezirk. Gottesdienste fanden alle vierzehn Tage statt.

Die erste evangelische Kirche in Immendingen

Alte Kirche von 1897

Alte Kirche von 1897

Am 6. September 1896 konnte der Grundstein für die erste evangelische Kirche in Immendingen gelegt werden. Am 14. November 1897 wurde sie durch den Donaueschinger Dekan Kastner feierlich eingeweiht. Ab diesem Jahr wurden der Religionsunterricht und die Gottesdienste wieder vom Pfarramt Donaueschingen der badischen evangelischen Kirche übernommen. 1902 wurde dann in Immendingen eine sogenannte Pastorationsstelle eingerichtet. Das war noch keine Pfarrstelle im vollen Sinn; und sie war auch nicht unbedingt mit einem Pfarrer besetzt. Aber damit war einigermaßen gesicherte Betreuung und eine gewisse Selbständigkeit erreicht. 

Der Zuständigkeitsbereich des ersten evangelischen Geistlichen in Immendingen

Eingangstür der alten Kirche von 1897

Eingangstür der alten Kirche von 1897

Der Immendinger Pastorationsgeistliche war für folgende Orte zuständig:
Aus dem Amtsbezirk Donaueschingen: Bachzimmern, Blumberg, Riedböhringen, Hondingen.
Aus dem Amtsbezirk Bonndorf: Achdorf, Aselfingen, Eschach, Opferdingen.
Aus dem Amtsbezirk Engen: Immendingen, Amtenhausen, Emmingen ab Egg, Hintschingen, Möhringen, Hattingen, Zimmern, Aulfingen, Hausen, Kirchen, Leipferdingen, Engen, Ach, Anselfingen, Bargen, Biesendorf, Bittelbrunn, Blumenfeld, Eckardtsbrunn, Ehingen, Honstetten, Kommingen, Mauenheim, Neuhausen, Nordhalden, Stetten, Thalheim, Tengen, Uttenhofen, Watterdingen, Weil, Zimmerholz, Büßlingen, Beuren am Ried, Binningen und Wichs.
Zuerst gehörte die Pastoratsgemeinde Immendingen zur Diöcese, dem Kirchenbezirk, Hornberg, ab 1909 zur Diöcese Konstanz der badischen Landeskirche.
Ab 1914 musste der Immendinger Geistliche auch noch die Versorgung von Geisingen mit übernehmen. Der Grund dafür war, dass der Eisenbahnverkehr auf der Strecke Immendingen-Donaueschingen eingestellt wurde, und der dortige Pfarrer nicht mehr nach Geisingen kommen konnte.
Solange Immendingen von Tuttlingen aus betreut wurde, also bis 1897, wurde hier das württembergische Gesangbuch benutzt, und ging der Gottesdienst nach der württembergischen Kirchenordnung. Mit dem Übergang der Betreuung an Donaueschingen wurde das badische Gesangbuch eingeführt und der Gottesdienst folgte der badischen Liturgie.

Von der Diasporagemeinschaft zur Diasporagemeinde

1920 wurde die Diasporagemeinschaft endlich zur Diasporagemeinde erhoben, jedoch noch nicht zur Kirchengemeinde. Die Orte Immendingen, Amtenhausen, Aulfingen, Emmingen, Hattingen mit Windegg, Hintschingen, Kirchenhausen, Kommingen, Leipferdingen, Möhringen, Schlatterdorf, Zimmern, Achdorf, Aselfingen, Eschach und Opferdingen, Bachzimmern, Blumberg, Steppach, Hondingen, Riedböhringen und Riedöschingen bildeten die Diasporagemeinde Immendingen.
Geisingen mit Kreisspital, Wartenberg mit Dreilerchen, Gutmadingen, Neudingen, Fürstenberg, Sumpfohren und Behla bildeten die Diasporagemeinde Geisingen, die vom Pfarrer in Immendingen versorgt wurde.
Bereits 1919 waren Tengen, Beuren am Ried, Binningen, Blumenfeld, Büsslingen, Nordhalden (Neuhaus), Uttenhofen und Wiechs am Randen zum Pfarramt Singen am Hohentwiel gekommen.

Von der Diasporagemeinde zur Kirchengemeinde

1925 wurde die Diasporagemeinde endlich zur badischen Kirchengemeinde erhoben. Engen bildete dabei eine Filialgemeinde der Kirchengemeinde Immendingen. Dafür, dass nicht Engen Sitz des Pfarramts wurde, waren der Eisenbahnknotenpunkt in Immendingen, die Nähe zu Geisingen und Möhringen, die mitversorgt werden mussten, und die Tatsache, dass es dort bereits ein Pfarrhaus gab, ausschlaggebend.
1933 wurden Blumberg, Kommingen, Nordhalden, Randen, Achdorf und Aselfingen aus dem Diasporabezirk Immendingen ausgegliedert und kamen zum Pfarramt Stühlingen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, 1948, wurde Engen selbständige Kirchengemeine. In Möhringen und Geisingen wurden Kirchengebaut (1952 und 1957).

Die erste Kirche wird zu klein – Bau der Versöhnungskirche

Versöhnungskirche von Osten

Versöhnungskirche von Osten

1959 wurde in Immendingen eine Militärpfarrstelle eingerichtet. Durch die Errichtung der Garnison stieg die Zahl der Gemeindeglieder an, die alte Kirche von 1897 wurde zu klein, eine neue wurde nötig. 1965 wurde der erste Spatenstich getan, und am 3. Advent1966, am 11. Dezember, wurde die neue Kirche feierlich eingeweiht. Sie trägt den Namen Versöhnungskirche.

Die badischen Kirchengemeinden kommen zur Evangelischen Landeskirche in Württemberg

Ab 1. Januar 1971 wurde Geisingen zur selbständigen Kirchengemeinde erhoben und damit von Immendingen abgetrennt. Ab 1. Januar 1981wurde Möhringen mit seinem Filialort Emmingen ab Egg eigenständige Kirchengemeinde.
Im Zuge der Verwaltungs- und Kreisreform des Landes Baden-Württemberg kamen die bürgerlichen Gemeinden Geisingen, Immendingen und Möhringen mit Emmingen zum Landkreis Tuttlingen. Wegen der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Landkreis auf sozialer und schulischer Ebene, setzen auch in den Landeskirchen Überlegungen zur Strukturplanung ein, die dann dazu führten, dass die Kirchengemeinden ab 1. Januar 1977 von der badischen in die württembergische Landeskirche umgegliedert wurden. Den Gemeinden wurde dabei zugesagt, dass die badische Gottesdienstordnung mindestens auf fünfzehn Jahre erhalten bleibe.
Die Informationen in diesem Artikel sind dem Büchlein „Von der Diasporagenossenschaft zur Kirchengemeinde. Evangelische Kirchengemeinde Immendingen. Versöhnungskirche“ entnommen. Im Pfarramt sind noch Exemplare des Büchleins, das noch viele weitere interessante Informationen, Bilder und Dokumente enthält, erhältlich.

 
Eingangstür der Versöhnungskirche Detail

Eingangstür der Versöhnungskirche Detail